Sympathisch, mitreißend, souverän

Matthias Beckert ist ein Gewinn für Suhl

Dieser Mann ist ein Gewinn für das Suhler Kulturleben! Wenn es eines letzten Beweises bedurft hätte, dann kam dieser mit seinem fabelhaften Einstand: „Das verlorene Paradies“ am vergangenen Samstag in der Hauptkirche.

Der neue Chef der Singakademie, Matthias Beckert (32 Jahre jung), hat zweifellos dem ihm vor einem Jahr anvertrauten Chor damit eine neue künstlerische Tür aufgestoßen. Lange nicht mehr erlebte man die Sängerinnen und Sänger bei derart gutem Ton. Dafür gab es tosenden Applaus vom Publikum, das davon sicher überrascht gewesen sein mag. Dazu fünf exzellente junge Sängerinnen und Sänger, wie man sie in dieser Qualität bei einem chorsinfonischen Werk auch fürderhin gern hören will.

Zu Recht galt dem sympathischen Künstler, der das Erlebnis so ermöglichte, ein Sonderbeifall. Mit dieser Aufführung hatte er unüberhörbar darauf hingewiesen, wo für ihn in Zukunft die Ansprüche des Chores liegen sollen. Dass er sich zudem so freuen kann, seine Leute danach umarmt, spricht auch für seine Herzensbildung.

Beckert hat sich viel vorgenommen, wie er unlängst in einem Interview für die Freies-Wort- Lokalredaktion bemerkte. Er tat dies ohne Überheblichkeit, wissend, dass er die Kompetenz dazu mitbringt. An Kraft und Energie scheint es ihm nicht zu mangeln, obwohl er noch den Suhler Knabenchor und zwei weitere Ensembles in Regensburg und Würzburg betreut. Hoffentlich bleiben die Arbeitsbedingungen für ihn gut, und hoffentlich kommt er der Stadt nicht sogleich wieder abhanden.

Mit Suhl scheint er sich offenbar gut angefreundet zu haben. Einziger Wermutstropfen in seiner Planung: Das Orchester, das der Singakademie Jahrzehnte treu zur Seite stand, wird dies aus bekannten Gründen nicht mehr so selbstverständlich wie früher tun.

Beckert, der Mann aus dem Frankenland, bringt in jeder Hinsicht frischen Wind in die Stadt. In seiner gewinnenden, offenen wie zupackenden Art erinnert er an einen früheren Vorgänger, den das Publikum und die Singakademie geradezu liebten: Achim Zimmermann. Der ist heute Professor und verdient in Berlin seine Meriten.

Beckerts Professionalität erstreckt sich gleichfalls auf die Vermarktung seiner Vorhaben. So bekam das Publikum erstmals ein intelligent gemachtes ausführliches Programmheft mit Informationen zum Werk, zu den Sängern, bis hin zum höflichen Dank an die Partner, auch die Suhler Kirche. Und noch etwas nahmen die Besucher erfreut zur Kenntnis: In der Pause nämlich konnten sie ein Gläschen trinken, Beckert hatte das mit der Suhler Klause gegenüber organisiert.

Der Ton im Ganzen macht eben die Musik. Und mal ehrlich, wer hat es schon nicht gern, auch ein bisschen hofiert zu werden?

Zeitung: Freies Wort vom 06.06.2008, Autorin: Frau Lilian Klement, Chefredakteurin