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Anspruch hochgesteckt und erfüllt
Singakademie, Philharmonie und Knabenchor mit beeindruckendem Auftritt
Suhl – Ein ergreifendes Konzert, das beinahe alle Vertreter Hochkultur in fantastischem Zusammenspiel am Samstag in der ausverkauften Hauptkirche präsentiert haben. Passend zum beginnenden November ließen die Musiker der Thüringen-Philharmonie und Sänger der Singakademie unter Leitung von Matthias Beckert zwei der wohl intensivsten und innigsten Werke von Johannes Brahms erklingen.
Der Kontrast zwischen dem Göttlichen und dem Menschlichen bestimmt das „Schicksalslied“, für das sich Brahms eines Textes von Friedrich Hölderlin bediente. Die Beschwörung der ewigen Klarheit und Hoheit der Götterwelt, von Chor und Orchester ruhig und sehnsuchtsvoll vorgetragen, leitet über zum beinahe apokalyptischen Teil, der die von Leid erschütterte Tragik des Menschenschicksals herausarbeitet – mit dissonanter Harmonik und sprunghaft, zerrissener Melodik. Anders als Hölderlin, der Götter- und Menschenwelt unvereinbar nebeneinander bestehen lässt, akzeptiert Brahms diesen Schluss nicht und setzt auf Versöhnung. Romantik bestimmt die „Alt-Rhapsodie“ – ein sehr persönliches Werk, für das Brahms’ vergebliche Liebe zur Schumann-Tochter Julie den Hintergrund liefert. Die düsteren Texte aus Goethes „Harzreise“ schienen ihm passend, um Verbitterung, Enttäuschung, die Verletzungen am Herzen auszudrücken. Kathrin Hildebrandt vom Braunschweiger Staatstheater, die die Alt-Solo-Partie übernahm, setzte das Werk mit einer Inbrunst, die den Herzschmerz und die Zerrissenheit des Leidenden in jede Ecke des Kirchenschiffes transportierte, mit Bravour in Szene, bevor der Männerchor leise hinzutrat, der Stimmung etwas sanftes, tröstliches verlieh. Dank auch der finalen Bitte, das enttäuschte Herz zu erquicken.
Gewaltiger Höhepunkt
Mit Zoltán Kodálys monumentaler Komposition „Psalmus Hungaricus“ schafften die Musiker, Sängerinnen und Sänger, einen gewaltigen Höhepunkt. Dank auch der schönen Stimmen des Suhler Knabenchores, konnte dem Publikum ein wunderschönes Klangbild angeboten werden. Dieses Werk, das zu den schwierigsten der Chorliteratur gehört, interpretierten sie alle hoch konzentriert und in fantastischer Weise mit all den Klangfarben, die Leid, Verfolgung Qual und Demütigung des um Unabhängigkeit kämpfenden ungarischen Volkes, fordern. Im Wechsel wie im Zusammenspiel von Singakademie, Tenor (hervorragend besetzt durch Robert Morvai) und Knabenchor ist die ungarische Seele getroffen worden. Dass der Chor das Werk in Originalsprache sang, war dafür ebenso hilfreich wie das konsequente Folgen des weit aufgemachten Spannungsbogens von kraftvollen, dramatisch-pulsierenden Läufen über traurige Klagen und preisende Gesänge bis zum Tonfall des leisen Psalmodierens.
Standingovations, Bravo-Rufe, lang anhaltender Beifall – verdienter Lohn für ein großartiges Konzert, das für das Publikum ebenso ein Erlebnis war wie für die 50 Musiker, 80 Sängerinnen und Sänger und für ihren Dirigenten Matthias Beckert.
Zeitung: Freies Wort vom 03.11.2008, Autorin: Frau Heike Hüchtemann
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