Etwas Besonderes für Suhl
Erstaufführung | Chordirektor Matthias Beckert über „Feuerreiter" und „A Child of our Time"
Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Wenn Chordirektor Matthias Beckert am 26. September mit seiner Singakademie und der Thüringen Philharmonie Gotha Hugo Wolfs „Feuerreiter" sowie Michael Tippetts ,,A Child of our Time" zu Gehör bringt, dann wird das sicherlich ein Konzerterlebnis der ganz besonderen Art. Und auch das ist neu in Suhl: Zum Konzert wird es am 17. September, 19 Uhr, im Probensaal im Haus Philharmonie eine
(eintrittsfreie) Einführung geben. Matthias Beckert spricht über die Werke, Musikbeispiele gibt es vom Band sowie durch die Singakademie. Über die kreative Werkauswahl, die letzte Phase der Probenarbeit und den immer neuen Anspruch, das Publikum zu erobern, sprach Freies Wort mit dem Chorleiter.
Herr Beckert, was erwartet den interessierten Konzertbesucher, wenn es in drei Wochen ernst wird?
Mit Hugo Wolfs romantischem "Feuerreiter" und Michael Tippetts Oratorium "A Child of our Time“ erklingen in unserer Stadt wieder zwei Suhler Erstaufführungen! Michael Tippetts monumentales Oratorium ist große Weltliteratur des Zwanzigsten Jahrhunderts und brachte dem Komponisten weltweit Anerkennung und Ruhm. Ein Achtstimmiger Chor, vier Solisten begleitet von einem großbesetzten Orchester, rufen die Menschheit auf zu Toleranz, Humanität und Gerechtigkeit.
Mit Hugo Wolf erleben unsere Konzertgäste einen der größten Komponisten der Spätromantik. Einzigartig setzt er im Feuerreiter den Text der Ballade mit wunderbaren Harmonien und Melodien in Musik um. So erlebt ein jeder hautnah und sehr plastisch, was Mörike in seinen flammenden Worten beschreibt.
Wie kam es zu diesem erfrischend anderen Programm?
Jedes Jahrhundert bringt wertvolle Musik hervor. Es ist immer mein Ziel für Suhl etwas Besonderes zu realisieren, um unsere Konzertgäste aus Suhl und ganz Thüringen zu begeistern und emotional zu berühren. Das Konzert begleitet eine Video-Installation, die wir in Zusammenarbeit mit Annette Wiedemann, der Leiterin der Galerie im Atrium des CCS, präsentieren werden.
Natürlich steht die kraftvolle und bewegende Musik im Vordergrund. Durch die Bilder – übrigens durchweg Aufnahmen aus und von Suhl – wird das Musikerlebnis weiter vertieft.
Musik aus dem Zwanzigsten Jahrhundert, dazu eine Video-Installation, das alles in der altehrwürdigen Hauptkirche – kling das nicht ein bisschen gewagt?
Die ehrwürdige Hauptkirche St. Marien bietet eine tolle Atmosphäre und eine exzellente Akustik – das passt sehr gut um dort etwas Neues und Wertvolles zu präsentieren. Auch Michael Tippett greift bei aller Modernität auf historische Formen zurück. Wie bei J.S Bach gibt es einen Erzähler, Turbaechöre und Choräle in Form von Spirituals wie „Deep river“. Die Dreiteiligkeit des Werks geht nach Aussage des Komponisten auf Händels Messias zurück, den Tippet an besonderen Stellen sogar zitiert!
Nun sind die Mittel in Suhl für Kultur im Allgemeinen und Musikkultur im Besonderen ja bekanntermaßen nicht mehr all zu üppig vorhanden. Wie wird der immense finanzielle Aufwand denn bestritten, den solch ein Konzert von der Singakademie fordert?
Die Suhler Singakademie begeistert sein Publikum seit Jahrzehnten mit renommierten Orchestern und hochklassigen Solisten. Dieses hohe musikalische Niveau, die Umsetzung und der Erfolg wird durch jedes einzelne Mitglied der Suhler Singakademie getragen. Es gibt zudem Förderer aus der Region, die sich der Kultur aus Suhl verbunden fühlen. Diese sind wichtig, um das anspruchsvolle musikalische Niveau und die großartige Tradition fortzuführen. Die Aufführung wird wieder ein Erlebnis mit begeisternden Chorsängern, hochkarätigen Solisten wie Robert Morvai und Philipp Meierhöfer, die an großen Opernhäusern in Deutschland engagiert sind und natürlich einem exzellenten Orchester - der Thüringen Philharmonie Gotha.
Wir freuen uns alle darauf!
Zeitung: Freies Wort vom 14.09.2008, Interview: Tiemo Weisenseel
|