Die "Neunte" - ein Geschenk

Gotha. (tlz) Sekundenlange Stille nach dem Schlussakkord - dann setzte tosender Beifall ein, mit dem sich das Publikum im vollbesetzten Kulturhaus für eine mitreißende "Neunte" von Ludwig van Beethoven bedankte. Wie entfesselt spielten die Musikerinnen und Musiker der Thüringen Philharmonie Gotha in der Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125 auf, von Chefdirigent Stefanos Tsialis immer wieder an die Grenze des Spielbaren herangetrieben.

Dieses Werk, bei dem Beethoven das symphonische Prinzip durch ein Chorfinale durchbrochen hatte, gipfelt in den vertonten Versen aus Friedrich von Schillers Ode "An die Freude". Fast programmatisch kamen die Worte daraus "Über Sternen muss er wohnen" beim Zuhörer an, mit der die bestens von Andreas Ketelhut und Matthias Beckert einstudierten Chöre Konzertchor Gotha (verstärkt durch Mitglieder des Ballstädter Männerchores) und Singakademie Suhl jubelnd und strahlend das Ziel der Brüderlichkeit besangen.

Den ersten Satz der Sinfonie "Allegro ma non troppo, un poco maestoso" gestaltete Tsialis mit packenden Gegensätzen, die Fortissimo-Einsätze dabei scharf und prägnant herausarbeitend und das Eindringen der Helligkeit in die Dunkelheit bereits hier vorwegnehmend.

Das tänzerische Scherzo des zweiten Satzes "Molto vivace - Presto" war geprägt von der anfeuernden Pauke, die hier und besonders dann auch im letzten Satz meisterhaft von dem jungen Solopauker der Philharmonie Binh Ngo gespielt wurde. Das "Adagio molto e cantabile" im dritten Satz geriet zu einem schwelgerischen Dialog der Holzbläser und Hörner mit den Streichern, durch den die Themen dieses Satzes auf unterschiedlichste Weise variiert wurden.

Die tiefen Streicher leiteten den vierten Satz Presto - Allegro assai" ein, alle Streicher stimmten kanonartig dann die allseits bekannte Freudenmelodie an, die nach mehreren instrumentalen Variationen vom Chor quasi als einer weiteren Stimmgruppe aufgegriffen wurde.

Einzelne Verse daraus waren den Gesangssolisten vorbehalten. Mächtig legte Olaf Plassa seinen Basseinsatz "O Freunde, nicht diese Töne" an, mit dem der vokale Schlussteil begann. Susanne Gasch mit ausdrucksstarkem Mezzosopran und vor allem Dorothea Winkel mit ihrem hellen, strahlend klingenden Sopran gaben dem Quartett ihr Gepräge. Der Tenor Timothy Oliver blieb leider etwas blass, auch in seinem marschartigen Solo "Froh, wie seine Sonnen fliegen" konnte er nicht so recht überzeugen.

Im Chor imponierten vor allem die prächtigen Männerstimmen, denen auch in der Komposition Beethovens eine herausragende Stellung zugewiesen wurde. Ihr "Seid umschlungen, Millionen!" war bestes Beispiel für die textverständliche, intonationssichere Interpretation. Die Frauenstimmen standen dem nicht nach, ihre schwierigen leidenschaftlichen Höhen kamen stets sauber gesungen herüber.

So gelang Stefanos Tsialis mit allen Mitwirkenden insgesamt eine überzeugende Präsentation der "Neunten Sinfonie", mit der sich die Thüringen Philharmonie von ihren begeisterten Konzertbesuchern im alten Jahr verabschiedete.

TLZ von Horst Gröner 28.12.2009