|
|
|
Hingabe zur Romantik
Die Suhler Singakademie erfreute ihr Publikum mit der Aufführung von Robert Schumanns Oratorium „Das Paradies und die Peri". Erneut stellte der Chor seine Leistungsfähigkeit unter Beweis.
Suhl - Der Romantik war die Singakademie von jeher zugetan, man denke nur an beeindruckende Aufführungen wie Mendelssohns „Elias" oder „Walpurgisnacht".
Nach Musik des 20. Jahrhunderts - A Child of our Time" im September 2009 - und Dvoraks „Requiem" im Frühjahr haben die Sängerinnen und Sänger seit langem wieder ein klassisches romantisches Werk einstudiert, Robert Schumanns Oratorium „Das Paradies und die Peri", das nur selten erklingt. Zu Lebzeiten gehörte es zu den beliebtesten Werken des Komponisten, dann verschwand es in der Versenkung. ..
2004 wurde in der Düsseldorfer Tonhalle ein aufsehenerregende Aufführung dieses Oratoriums mit Tänzern, Schauspielern, Akrobaten, Musikern und Sängern vorgestellt. Auch Nikolaus Harnoncourt (2008 in Wien) und Simon Rattie (2009 in Berlin) entdeckten das fast vergessene Werk wieder. Dass die Suhler Musikfreunde es nun ebenfalls in ihrer Stadt erleben konnten, ist das Verdienst des Leiters der Singakademie, Matthias Beckert. Der ist bekannt dafür, dass er gern Literatur jenseits des Mainstreams auswählt. Das ist gelegentlich nicht unumstritten in der Stadt, Kulturpolitiker sähen es mit Blick auf die Besucherzahlen gern, wenn er sich öfter auch populäreren Werken zuwenden würde, schließlich wird der Chor großzügig von der Stadt unterstützt.
Diese Bekanntschaft mit einem hier bis dato unbekannten Schumann haben die Mitglieder der Singakademie aus eigener Kraft ermöglicht. Der finanzielle Aufwand war nicht unbeträchtlich, schließlich gehörten vier Sänger und als Begleitorchester die Thüringen-Philharmonie Gotha dazu. Das Zauberwort dafür hieß Sponsoring. Man suchte und fand Unterstützung bei Firmen und Privatpersonen in der Region - unter anderem bei der Rhön-Rennsteig-Sparkasse, den Stadtwerken Suhl/Zella-Mehlis, dem TTM, dieser Zeitung - und auch bei der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen.
Dieses Geld war sehr gut angelegt. Das Interesse des Publikums, darunter Suhls OB Jens Triebel und der Bürgermeister von Zella-Mehlis, Karl-Uwe Panse, war groß, und es geizte am Ende auch nicht mit stürmischem Beifall für diese künstlerisch ambitiönierte, gelungene Aufführung.
Auch wenn der umfangreichere Part in diesem neunzigminütigen Werk den Solisten gilt, so hat doch der Chor einmal mehr demonstriert, wie sich sein Klangbild seit Beckerts Leitung enorm verbesserte. Verstärkt durch die jungen Leute von New Voices und einige Mitglieder des Knabenchores wirkt der Gesang frisch und sauber intoniert, zudem balanciert sich das Stimmenverhältnis zwischen Frauen und Männern hörbar angenehm aus. Allen Mitwirkenden merkte man das große Engagement für diese Einstudierung und die Freude an den romantischen, reichlich melodiösen Klängen an. Beckert leistete gründliche Arbeit. .. Der fabelhafte Gesamteindruck ist aber auch den großartigen, in Oratorien erfahrenen Sängern zu verdanken. Zwei der kultivierten Stimmen kannte man schon von einem früheren Auftritt in Suhl, Barbara Bräckelmann (Mezzo) und Robert Morvai (Tenor). Für Alexandra Steiner vom DNT Weimar war kurzfristig die Sopranistin Dorothea Winkel eingesprungen, den Baritonpart sang Johannes Weinhuber.
Zeitung: Freies Wort vom 27.10.2010, Autorin: Frau Lilian Klement
|