Bruchs "Moses" wieder in Thüringen
Die Suhler Singakademie feiert demnächst ein Jubiläum: Anfang November jährt sich deren Gründung zum 35. Mal. Das Ereignis ist Anlass für ein besonderes Chor-Konzert.
Suhl - Es war im Jahr 1976, als in die Suhler Briefkästen eine Postwurfsendung gelangte und sangesfreudige Bürgerinnen und Bürger der Stadt für die Gründung einer Singakademie gesucht wurden. Das hatte nachhaltige, positive Folgen für das Kulturleben von Suhl. Zur schon bestehenden Kantorei gesellte sich ein weiterer Chor hinzu und bereicherte fortan das Musikleben mit. Angeschlossen an die damalige Suhler Philharmonie entwickelte sich nämlich bald ein exzellentes Ensemble, das sich der Chorsinfonik verschrieben hatte. Diese gemeinsame erfolgreiche Ära fand erst ihr Ende, als die Stadt 2008 aus der Mitfinanzierung des mit dem Gothaer Orchester fusionierten Klangkörpers ausstieg.
Dank an die Suhler
Im November besteht das Ensemble 35 Jahre. Und wie es sich für einen guten Chor gehört, wird das Ereignis auf spezielle Weise gemeinsam mit dem Publikum gefeiert. "Ihre langjährige Freude am Singen wollen die Sängerinnen und Sänger mit einem Jubiläumskonzert unterstreichen und sich damit zugleich für die vielfältig erfahrene Unterstützung - der Stadt Suhl ebenso wie die des Publikums - bedanken", betont Chorleiter Matthias Beckert.
Unter seinem Dirigat erklingt am 12. November in der Hauptkirche St. Marien Max Bruchs Oratorium "Moses" op 67. Das ist eine Erstaufführung in Suhl. Das Meisterwerk dieses namhaften Gründerzeit-Komponisten (1838-1920) vereint insgesamt 150 Mitwirkende. Neben der Singakademie werden die Thüringen-Philharmonie Gotha, die Sopranistin Christine Wolff sowie die am Deutschen Nationaltheater engagierten Sänger Frieder Aurich (Tenor, Partie des Aaron) und Philipp Meierhöfer (Bass, Partie des Moses) mitwirken.
Der in Köln geborene Max Bruch war eng mit Thüringen verbunden. Seine Zeit als Hofkapellmeister des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen von 1867 bis 1870 gilt als eine seiner fruchtbarsten Schaffensperioden. Die Uraufführung des Oratoriums "Moses" fand am 8. Januar 1895 unter der Leitung des Komponisten in Wuppertal statt. Die Thüringer Erstaufführung erfolgte ein Jahr später in Gotha.
Es ist Bruchs Hauptwerk und schildert den Wüstenzug des Volkes Israel nach dessen Flucht aus dem pharaonischen Ägypten. Das Oratorium führt dem Publikum vier Episoden des biblischen Mythos vor Augen, die in je einem Werkabschnitt dargestellt werden. Die Handlung beginnt mit der Abkehr der Israeliten von ihrem Gott, während Moses auf dem Berg Sinai die Zehn Gebote in Empfang nimmt, führt weiter über die Anbetung des "Goldenen Kalbes" sowie "Die Rückkehr der Kundschafter aus Kanaan" und endet schließlich mit dem Ausblick ins Traum-"Land der Verheißung".
Das Libretto besteht durchweg aus Bearbeitungen von Texten des Alten Testaments sowie aus Psalm-Zitaten. Die kraftvolle alttestamentarische Sprache in ihrer deutschen Übersetzung unterstreicht eindrucksvoll die mythischen Ereignisse. Breit angelegte Chöre sind die entscheidenden Träger des musikalischen Geschehens. Dramatische Wucht, aber auch feiner poetischer Ausdruck verlangen von Chor, Orchester und Sängern Wendigkeit und gestalterische Kreativität.
Anspruchsvolle Chorsätze
Die Singakademie probt schon lange intensiv und hoch motiviert am "Moses". Derzeit liegt der Schwerpunkt auf dem Feinschliff der ebenso anspruchsvollen wie farbenreichen Chorsätze. Verstärkung geben die Männerstimmen des Suhler Knabenchores.
Es ist dies das letzte große Werk, das Matthias Beckert mit der Singakademie einstudiert. Wie bereits berichtet, verlässt der Künstler zum Jahresende Suhl. Sein letztes Dirigat verbindet sich mit dem traditionellen Weihnachtskonzert des Suhler Knabenchores am 10. Dezember in der Hauptkirche.
Zeitung: Freies Wort von Lilian Klement (21.10.2011)
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