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Zum Abschied eine Stimmgabel
Das Publikum erlebte am Samstag in der Hauptkirche ein beeindruckendes Konzert des Knabenchores. Es war auch das Abschlusskonzert von Chordirektor Matthias Beckert in Suhl.
Suhl - Konzertiert ein Knabenchor, dann ist ihm Aufmerksamkeit stets gewiss, die klaren Knabenstimmen ziehen beim Publikum immer. Ganz besonders aber am Samstagnachmittag in der Hauptkirche, als der Suhler Knabenchor sein letztes Konzert unter dem Dirigat seines Chordirektors Matthias Beckert gestaltete. Chor und Leiter waren aus diesem Anlass besonders hoch motiviert und das in großer Zahl erschienene Publikum voller Erwartung. Dieses bedankte sich am Ende mit lang anhaltendem, herzlichem Beifall nicht nur für ein stimmungsvolles Adventskonzert, sondern für das viereinhalbjährige künstlerische Wirken Beckerts in der Stadt, für die Singakademie und eben den Knabenchor.
Tiefe Spuren habe Matthias Beckert in Suhl hinterlassen, würdigte Bürgermeister Klaus Lamprecht sein Engagement. "Dafür möchte ich mich im Namen der Stadt, des Oberbürgermeisters und des Stadtrates bedanken." Warme Worte fand Carola Kämpf, die im Namen der Eltern Dank sagte dafür, dass ihre Söhne von Matthias Beckert nicht nur viel gelernt haben, sondern er sie mit natürlichem pädagogischem Geschick auch in einem Abschnitt ihrer Entwicklung begleitet und geprägt habe. "Nicht nur in den Proben und zahlreichen Konzerten hatten die Kinder Freude, sondern auch in den vielen Chorlagern", so die Mutter eines Sängerknabens. Und so hatte der scheidende Chorleiter auch nach dem Konzert im wahrsten Sinne alle Hände voll zu tun - viele Hände waren von Eltern zu schütteln, die Jungs zu umarmen, Blumen und Präsente entgegenzunehmen.
Emotionaler Moment
Zuvor verabschiedeten sich die Knaben von ihrem Chorleiter mit dem allseits bekannten Lied "Nehmt Abschied, Brüder". Ein emotionaler Moment in der Kirche, der bei Sängern wie Eltern so manche Träne fließen ließ. Die Jahre in Suhl seien eine wunderbare Zeit für ihn gewesen. "Ich durfte die Jungs nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich bilden. Beides war mir sehr wichtig", wandte sich Matthias Beckert an das Suhler Publikum. An seine 85 Knaben gerichtet, überreichte er ihnen ein ganz besonderes Abschiedsgeschenk - für jeden hatte Matthias Beckert eine Stimmgabel parat. Ein symbolträchtiger Abschiedsgruß, wie der Chordirektor sogleich erläuterte: Eine Stimmgabel ist stark und geradlinig, sie lässt sich nicht verbiegen und trifft immer den richtigen Ton, denn der macht bekanntlich die Musik und eine Stimmgabel sorgt stets für gute Stimmung. Das sei sein Wunsch an die jungen Sänger, "möget ihr dieses Symbol immer in euren Herzen bewahren".
Klassisches und Modernes
Mit einem rundum schönen Programm hat es der Suhler Knabenchor in seinem traditionellen Adventskonzert abermals verstanden, das Publikum in festlich-weihnachtliche Stimmung zu versetzen. Die Mischung aus klassischen Liedern und modernen sowie die Auswahl der Lieder quer durch die Jahrhunderte und Kulturen war stimmig gewählt. Der Bogen spannte sich von eingangs "Sind die Lichter angezündet" beispielsweise über "Good news", "Schlaf mein Kindlein", "This little light of mine", "Oh Tannenbaum" (mit einem erfrischenden, einfallsreichen Arrangement), "Drei Könige wandern" und abschließend den immer wieder gern gehörten Titel "Es ist ein Ros entsprungen". Mit silberhellen Knabenstimmen und Wärme in den tieferen Tönen wussten die Suhler Jungs ebenso zu begeistern wie mit ihrem harmonischen Zusammenklang, ihrem konzentrierten und frischen Vortrag. Besonderer Beifall galt den vier Knaben, die mit Bravour und scheint's ganz ohne Lampenfieber ihre Soloauftritte meisterten, dem siebenjährigen Fabian ebenso wie Ben, Jan und Christoph.
Uraufführung
Das gemeinsame Spiel mit dem unter Leitung von Kerstin Mucha stehenden Gitarrenensemble der Suhler Musikschule und dem Knabenchor bereicherte den erbaulichen Nachmittag auf besondere Weise, handelte es sich doch um eine Uraufführung des Chorsatzes "Winter, Weihnacht und Neujahr". Der Text stammt von Kerstin Mucha, die Musik von Matthias Beckert, die für den Knabenchor vertont wurde.
Fürwahr, der Suhler Knabenchor hat unter der künstlerischen Obhut Matthias Beckerts in den viereinhalb Jahren einen deutlich Qualitätssprung nach vor gemacht. Doch ohne konzentrierte Nachwuchsarbeit ist das nicht zu machen. Und so reihten sich am Samstag denn auch 20 Nachwuchssänger ein, die mit zwei Liedern bewiesen, was sie schon drauf haben. Diesen Part, so Beckert, habe er in jedem Konzert besonders geliebt. Und wie es schien, auch das Publikum in der Hauptkirche...
Zeitung: Freies Wort von Ruth Schafft (12.12.2011)
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